Eine Liebe, größer als das Leben selbst.
A Discovery of Witches, oder zu Deutsch: ein Hexenfund. Oder ein Bücherfund. Mit Discovery of Witches wagte sich Penhaligon an eine Neuauflage, die die ältere Version „Die Seelen der Nacht“ ablöst. Inhaltlich kann ich zu beiden Versionen nichts vergleichen, aber zu den Covern! Die Neuauflage hat ein so schönes Cover, mystisch und geheimnisvoll, mit atemberaubenden Farbschnitt und dem Gefühl, einen wahren Schmöker in den Händen zu halten. Und das hatte man auch. Ein 830-Seiten-Buch, die Folgeteile versprechen eine ähnliche Länge. Plotttechnisch passiert ambivalentes: auf der einen Seite ist sie super super slow burn. Man lernt X Charaktere kennen, wird mit Details gefüttert, vor allem zu Weinen, und dadurch, dass die Kapitel auch noch sehr lang sind, ist es wirklich stellenweise extrem zäh gewesen, dass ich sogar mitten in einem Kapitel eine Pause gemacht und das Buch weggelegt habe. Hier hätte das Lektorat bestimmt gut und gerne 200 Seiten kürzen dürfen. Trotzdem bleibt man dabei - irgendwie - weil sich auf der anderen Seite die Handlungsfäden im Hintergrund spinnen und so für ein spannendes und fesselndes Grundgerüst sorgen. Ich bin sehr gespannt, wohin sich die vielen Plottfäden entwickeln: was wird aus dem Ashmole 782 Manuskript? Was aus der verbotenen Liebesbeziehung zwischen Diana und Matthew, der darüber hinaus auch noch uralt ist und mit Sicherheit noch sehr viele Geschichten auf Lager hat? Dann ist da noch Dianas „Mutation“, ihre DNS, und der mysteriöse Tod ihrer Eltern und die Mordfälle an den Vampiren,…. Dadurch, dass ich gefühlt alle noch auf einem Schirm habe, spricht es auf jeden Fall dafür, dass Harkness sie gut eingebettet hat, auch wenn es definitiv zu viele waren. Zum Ende kommt auch noch die Zeitwanderung dazu - aber das war wirklich wirklich spannend, weil sich dadurch das Buch endlich von dem Eindruck abhebt, es hier mit einer Mischung aus Shadowhunters und Twilight zutun zu haben. (Wohl angemerkt, dass die beiden nach Discovery of Witches veröffentlicht wurden?)
Ein großes Manko hat das Buch jedoch. Und das ist Matthew. Ich kann ihn nicht leiden. Während Diana sympathisch ist, stellenweise nervig naiv und mundtot, ist es Matthew, der so eine negative Konstante im Buch ist. Er ist ein Gentlemen, keine Frage, auch wenn er manchmal sehr übertrieben agiert, aber - er bevormundet Diana 24/7. Ständig sagt er ihr, was sie zu tun und zu lassen hat, was für sie am besten wäre; er trifft alle Entscheidungen, und auch wenn sie richtig erscheinen, stellt das Diana in ein sehr kindliches und unreifes Licht. Mal sehen, ob es im zweiten Teil besser wird. :)
Darüber hinaus gibt es aber noch so Kleinigkeiten, die mir sehr gut gefallen haben: Matthews Vergangenheit, von seiner Wandlung hin zu seinen Söhnen und Töchtern. Ich habe das Gefühl, alles vor seiner Zeit mit Diana ist ein einziger Nebelschleier, der sich langsam lichtet. 1500 Jahre alt zu sein - da erlebt man natürlich viel, was es aber auch ungeheuer spannend macht. Dazu kommt dann noch die Sache mit den Lazarus-Rittern und holy moly - hatte ich Gänsehaut! That’s what I like.
Das Magische allgemein im Buch ist so kreativ und fesselnd angelegt, dass es dem Leser oder der Leserin nach mehr verlangt. Witz ist auch nicht fern - ich bin großer Fan vom Haus der Bishops. Dass Harkness das Haus so personifiziert, ist für mich nicht nur innovativ sondern auch urkomisch und heitert so manche andere zähen Stellen wieder auf.
Ich werde auf jeden Fall weiterlesen!