Freitag, 8. September 2023

Die physikalische Notwendigkeit der Liebe - Madeleine Henry (Rezension)


Wahre Liebe währt ewig – Sophie Jones wird es der Welt beweisen!




Allgemeines:
- Einzelband
- Softcover, eBook
- 12,00 Euro, 6,99 Euro
- Verlag: Goldmann
- Originalausgabe: The Love Proof
- Erscheinungsdatum: 19. Juli 2023
- Seiten: 304

Meine Meinung:
Ich bin wirklich opportunistisch an dieses Buch rangegangen. In Erwartung an eine schöne, federleichte Story, die sich vor allem zur Sommerzeit super lesen lässt. Coole Charaktere, ein fesselnder Schreibstil, und dazu noch eine fesselnde Idee. Das alles versprach Madeleine Henry. Eine außergewöhnliche Protagonistin und ein spannender Cocktail aus Liebe und Wissenschaft - hier eben die Physik. Genauer gesagt geht es hier um einen Bereich der Physik, der sich vor allem in Sophies Fall mit der Zeit beschäftigt. Eine sehr spannende Idee! Sophie ist auch dazu noch hochbegabt, also ein sehr spannender Charakter - in der Theorie. Die Umsetzung war leider absolut enttäuschend. Genau wie das ganze Buch. 
Im Grunde geht es um Jake und Sophie, beide total verschiedene Menschen, die trotzdem zueinander finden und sich verlieben. Jake, der aus wirklich schwierigen Verhältnissen kommt und schon früh lernen musste, hart zu arbeiten und unabhängig zu sein und Sophie, die aufgrund ihrer Hochbegagung sozial etwas Nachholbedarf hat, denn wie ganz am Anfang beschrieben, steckt sie die Nase lieber in Bücher als sich für die Menschen um sie herum zu interessieren. 
Laut Buch hat Sophie mehrere Klassen übersprungen und fängt nun an, Physik zu studieren. Sie besucht eine Vorlesung, die auch Jake besucht, der allerdings den "normalen" Weg gegangen ist. Und da war das erste, was mich utopisch an diesem Buch gestört hat. Jake setzt sich einfach in der Vorlesung neben sie, fängt ein Gespräch an, und bändelt mit ihr an. Trotz ihres offensichtlich kindlichen Kleidungsstils (Sophie ist um die 20?), springt sie sofort auf ihn an. Aber wie? Wenige Seiten zuvor hat ihre Mutter noch kritisiert, dass Sophie sozial mehr Fähigkeiten ausbilden soll (weil sie offenbar Defizite hat) und doch unterhält sie sich mit Jake, als hätte sie nie etwas anderes getan. Es ist absolut unstimmig, unrealistisch und für mein persönliches Empfinden viel zu schnell gegangen, dass sie sich im nächsten Kapitel auch schon küssen. Das sorgte für eine negative Grundhaltung bei mir, die sich leider bis zur Mitte des Buches nicht abschütteln ließ. Dann habe ich es aufgegeben und das Buch abgebrochen.
So umauthentisch und seltsam ihre Beziehung ist, es passt einfach nicht zusammen. Sie treffen aufeinander und sind direkt verliebt. Beim Leser kommen 0,0 Emotionen an, man fühlt sich allgemein überhaupt nicht mit dabei und sehr fern der Story. Dass die beiden zueinander finden ist auch nicht nachvollziehbar. Sophie wird auf jeder Seite als sehr jung beschrieben, mit kindlichen Eigenschaften und doch passt sie ganz "wunderbar" zu Jake, der für sein Alter schon sehr reif und erwachsen ist. Eine Liebesgeschichte, die vorne und hinten keinen Sinn macht, vor allem, da Jake den Märtyrer spielt und auch noch für Sophies Karriere die Beziehung beendet. Die Gründe, eine Beziehungspause einzulegen, sind überhaupt nicht nachvollziehbar und passen auch gar nicht zueinander. Sophie reagiert darauf wieder überaus kindlich, überhaupt nicht ihrem Alter entsprechend und an dieser Stelle habe ich das Buch auch abgebrochen. Eine Handlung war nicht wirklich erkennbar, die Gefühle alle sehr oberflächlich. 
Das einzige, was mir wirklich gefallen hat, waren die Einblicke in Jakes Vergangenheit. Es war spannend, da waren die Zusammenhänge zwischen dem Vergangenheits-Jake und Präsens-Jake erkennbar. Hätte es sowas auch für die Liebesgeschichte zwischen Jake und Sophie gegeben, wäre das Buch vermutlich sogar einigermaßen nachvollziehbar gewesen. 


Samstag, 26. August 2023

Wenn wir von Nähe reden von Jana Bennings- Rezension

 Über Mütter und Töchter und die Kunst zu vergeben



Allgemeines:
- Einzelband
- Softcover, eBook
- 11,99 Euro, 9,99 Euro
- Verlag: Droemer Knaur (Knaur Romance)
- Originalausgabe
- Erscheinungsdatum: 1. August 2023
- Seiten: 280

Darum geht es:
Wie so oft hat Iris es nicht geschafft, rechtzeitig aus dem Büro zu kommen, um Livia abzuholen. Wie so oft hat Livia sich schließlich ihr Fahrrad geschnappt, um doch noch pünktlich bei ihrem Sport-Workshop zu sein. Doch diesmal hat die sportbegeisterte Teenagerin, die sich Hoffnungen auf eine Olympia-Teilnahme machen darf, einen schweren Unfall. Von jetzt auf gleich scheint Livias großer Traum beendet.
Iris zerbricht beinahe an ihren Schuldgefühlen – bis sie erkennt, dass sie kämpfen muss, will sie Livia – und sich selbst – nicht verlieren.

Meine Meinung: 
Normalerweise lese ich nicht dieses Genre, bin eher im New Adult Genre und Fantasy Genre unterwegs. Aber der Klappentext versprach eine Tiefe, die mich sofort ansprach. Mutter und Tochter: die wohl komplizierteste Beziehung der Welt. Ein Verhältnis, das einzigartig ist, auf bedingungsloser Liebe basiert und doch uns oft viele Nerven kostet. Ich habe selbst mit meiner Mutter ein solches Verhältnis, wie Livia mit ihrer Mutter Iris teilt. Man liebt sich irgendwie und hält zusammen und doch ist man manchmal entfremdet und kann sich nicht ausstehen. Alles geht mit einer großen Ladung Emotionen einher. Und genau deswegen hat mich das Buch so angesprochen: ich hoffte, verstanden zu werden, etwas zu lernen, mich vielleicht in vielen Punkten wiederzuerkennen, das Gefühl zu bekommen, nicht allein zu sein mit dieser schwierigen Beziehung. 
Wir lernen drei Generationen von Frauen kennen: die sechzehnjährige Livia, ihre Mutter Iris, die "Haupt"Protagonistin und deren Mutter Johanna. 
Iris ist viel mit Arbeit beschäftigt, hat keinen Kontakt zu Johanna seit fünf Jahren und auch zu ihrer Tochter Livia ist es ein schwieriges Verhältnis. Livia will Olympionike werden, verfolgt ihren Traum mit Eifer und Wille. Dann hat sie einen schweren Autounfall und muss diesen Traum aufgeben. Das verändert alles. Iris findet wieder zu sich, Livia erkennt, dass Freundschaft und Nähe doch viel Wert sind und dass das Schicksal nicht fest gemeißelt ist und auch Iris und Johanna kommen sich näher. Dass nebenbei viele Tellings über das Leben vermittelt werden (vor allem vom "Griesgram" :)) ist ein schöner Nebeneffekt.
Das Buch erzählt von diesem unfassbar schwer zufassenden ambivalenten Konflikt von Mutter und Tochter in einer fieberhaften Intensität. Die Schwierigkeit dieser Generationenkonflikte, die Innigkeit und Verletzlichkeit, die vor allem Iris und Livia teilen: das Zulassen von Nähe. Dieser schmale Grad zwischen Mutterrolle und Unabhängigkeit und der Veränderbarkeit dieser, wenn das Kind erwachsener wird. Dass man selbst als Mutter noch Tochter ist. Vor allem hat mir sehr gut dieses "Heilen" gefallen, das dem Buch eine emotionale Lebhaftigkeit verleiht, die in einem schönen und flüssigen Schreibstil die Tiefgründigkeit untermauert. 
Ein sehr schönes Buch, schnell zu lesen und fesselnd, das Thema Mutter-Tochter-Konflikte in seinem Kern getroffen. Die Charaktere lebendig, gut ausgearbeitet und spannend. Allerdings gab es an der Rahmenhandlung ein paar Sachen, die mich ein bisschen gestört haben. Weshalb es dann doch ein bisschen gedauert hat, bis ich das Buch beendet hatte. Zunächst einmal wurde ich in meiner anfänglichen Erwartung ein bisschen enttäuscht, mich mit Livia identifizieren zu können. Vielleicht bin ich zu alt, vielleicht machen die 5 Jahre zwischen Livia und mir doch etwas aus. Ich konnte Livia nicht leiden. Gezetert hat sie, undankbar war sie und wurde ständig als verletzliche Blume dargestellt, die dann aber noch beißt. Mit ihr bin ich leider nicht warm geworden - es hätte irgendwie auch ein Weichenstellen von ihrer Seite aus benötigt, ein "Iris-Entgegenkommen", denn auch wenn Iris quasi das Zentrum darstellt, ist sie auch immer noch eine Mutter und will per sé nichts schlechtes. Dass Iris Schuld an dem Unfall hat, finde ich auch übertrieben und hat mich irgendwie doch gestört, vor allem, da immer wieder darauf herumgeritten wurde, dass nur weil Iris zu spät war, Livia der Unfall passierte. Dieses Denken stört mich ein wenig, da Iris nicht verantwortlich dafür ist, dass der Autofahrer Livia angefahren hatte und des Weiteren war es nicht Iris vorsätzliche Entscheidung, absichtlich zu spät zu kommen, dass ihre Tochter im Regen fahren muss. Dass das natürlich Meckern auf hohem Niveau ist, ist klar. 
Durchweg hat mir das Buch aber gefallen, vor allem dieser lockere Schreibstil, diese Kunst, ein so schwieriges Thema in einer gewissen Leichtigkeit zu erzählen, dass ich nicht nur emotional wurde, sondern selbst viel ins Nachdenken gekommen bin. Das Buch wird mir bestimmt noch in Erinnerungen bleiben, und alleine deswegen wiegt die Kritik nicht ganz so viel. :)


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